Navigation überspringen Sitemap anzeigen
Frau Dr. med. Marianne Feldmeier - Schmerztherapeutische Praxis - Logo

Die Rezeptoren des Haltungssystems

Unsere Augen und Füße sind die wichtigsten Informationssysteme des Haltungssystems. Sie sind die äußersten Enden des Haltungssystems und koordinieren die von außen kommenden Wahrnehmungen mit den Eigenwahrnehmungen des Körpers.

Erst an 2. Stelle stehen die anderen Rezeptoren wie unser Kauapparat, unsere Haut (Narben), etc.

Zahlreiche Arbeiten auf dem Gebiet der Neurowissenschaften bestätigen die bedeutende Rolle der Augen (Vierordt 1860, Romberg um 1820, Lacour und Roll 1988/ 89), und der Füße (Bourdiol 1974, Gagey 1988, Roll 1996, 1999 (Posture er Équilibre, Sauramps médical) für unsere Körperhaltung und unser Gleichgewicht.

Rezeptorfehler

Unsere Rezeptoren stehen unter äußeren Einflüssen. So können zum Beispiel ungeeignetes Schuhwerk, falsche Erhöhungen, Brillen, Zahnspangenbehandlungen, eine zu hohe Füllung, eine Bissfehllage, etc. das Muskelgleichgewicht unserer Rezeptoren negativ beeinflussen. Solche äußeren Störungen sind vergleichbar mit Softwarefehlern bei einem Computer.

Falsche Informationen vom Augenrezeptor z.B. nach einem Schleudertrauma oder einer schweren Kopfprellung verursachen nicht nur ein Muskelungleichgewicht der Augen, sondern immer auch ein Muskelungleichgewicht des gesamten Körpers, d.h. auch der anderen Rezeptoren wie dem Kauapparat und der Füße.

Die „Softwarefehler“ treten meist schon in der Kindheit auf.

Sie bleiben hier meistens unerkannt und darum unbehandelt, weil ihre Anpassungen in der Kindheit meist noch keine Beschwerden verursachen oder weil sie meistens nicht mit den bestehenden Symptomen in Verbindung gebracht werden. Hierzu zählen z.B. Konzentrations- oder Koordinationsstörungen, Schwindel, Ängste, etc.

Diese Fehler bleiben ein Leben lang, wenn man sie nicht erkennt und behandelt.

Die Rolle unserer Füße im Haltungssystem.

Unsere bisherigen Vorstellungen über unsere Füße müssen wir grundlegend ändern, denn im Alltag finden wir nicht nur einen, den ursächlichen Fußtyp, sondern immer drei verschiedene Fußtypen nebeneinander.

1. ursächliche Füße:

Sie verursachen die Fehlhaltung.

2. angepasste oder aktiv kompensierende Füße z.B. an eine obere Störung

d.h. die Füße passen sich entweder passiv oder aktiv an eine obere Störung an. Bei der aktiven Anpassung handelt es sich um das Bemühen der Füße, ein Haltungsungleichgewicht aktiv auf der Seite des zu kurzen Beines auszugleichen, d.h. aktiv zu kompensieren. Dadurch kommt es zu einseitig abnormalen Muskelkräften, die bremsend auf das normale Wachstum nur eines Beines wirken und so eine einseitige Beinverkürzung hervorrufen. Diese wird aktiv vom Fuß kompensiert = kompensatorischer Knickfuß nach außen.

3. Mischfüße sowohl mit einem ursächlichen, als auch einem angepassten Anteil

Im Praxisalltag sehen wir am häufigsten Patienten mit Mischfüßen. Da die ersten beiden Fußtypen selten Beschwerden verursachen, sodass Patienten mit diesen Fußtypen selten in unsere Praxen kommen (Ausnahme: Sportler, da sie größeren Beanspruchungen ausgesetzt sind).

Dank ihrer Anpassungsfähigkeit können unsere Füße jedes Gleichgewicht bzw. Ungleichgewicht der Körperhaltung gleichmäßiger auf sich verteilen bzw. kompensieren. 

Nach ca. 1 Jahr fixieren sich diese Anpassungen, wenn diese nicht rechtzeitig erkannt werden.

Leider ist diese wichtige Rolle unserer Füße für unsere Körperhaltung noch viel zu wenig bekannt und findet deshalb im Praxisalltag kaum Berücksichtigung. 

Vielmehr werden die Füße heute noch immer als Hauptverursacher für Beschwerden und Schmerzen im Bewegungsapparat angesehen und entsprechend mit biomechanisch wirkenden  Einlagen versorgt. Und genau diese Einlagenversorgung stört oder schadet den adaptierenden Füßen mehr als dass sie hilft. Nicht selten führt sie sogar zur Verstärkung der Probleme, da durch sie die Anpassungen fixiert werden. 

Aus diesem Grund sollten adaptierende bzw. kompensatorische Füße nie wie ursächliche Füße behandelt werden. 

Auf dem Boden dieser neurophysiologischen Grundlagen wird verständlich, warum so viele Therapien Haltungsfehler und ihre Folgen auf Dauer nicht korrigieren können. Sie behandeln meist nur die Symptome, aber nicht die eigentlichen Ursachen: Die Rezeptorstörungen.

Grundlagen zu den Rezeptoren und zur TherapieFehlhaltungen ins Gleichgewicht bringen

Der Augenrezeptor – Grundlagen

Seit über 60 Jahren ist der Neurowissenschaft die Rolle unserer Augen für das Haltungssystem bekannt. 

Schon 1951 konnte Dr. J. B. Baron, ein französischer Physiologe aus Paris, in einem Tierversuch die Bedeutung der Augenmuskelsymmetrie aufzeigen. 

Durch eine Minivibration nur an einem Auge eines Fisches wurde die Spannung des äußeren geraden Augenmuskels nur ganz leicht verändert. Dies führte dazu, dass der Fisch zunächst nur noch im Kreis schwamm. Je länger jedoch diese Stimulation erfolgte, desto mehr passte sich schließlich auch das gesamte Rückgrat des Fisches auf diesen asymmetrischen Reiz an, in dem es sich zunehmend krümmte.

Mit diesem Versuch gelang es Baron zu beweisen, dass schon eine kleine Veränderung am Auge, große Auswirkungen auf die gesamte Körperhaltung hat. 

Das Haltungssystem spielt nicht nur für die Haltung und das Gleichgewicht eine Rolle, sondern auch für die Position im Raum, Roll (1987) und für die visuelle Wahrnehmung, Quercia (2005). 

Ende der 80iger hat die portugiesische Neurophysiologin Graciete Serrano, sehr beeindruckend die Bedeutung der Augen auch bei kognitiven Störungen belegen können. Es gelang ihr eine spektakuläre Verbesserung einer schweren Rechtschreibstörung allein durch die Behandlung einer asymmetrischen Augenkonvergenz mit Hilfe von posturalen Prismen, mit denen der portugiesische Augenarzt Orlando Alves Da Silva arbeitete. 

Unsere Augen liefern sehr wichtige Informationen über die Stellung des Körpers im Raum. Sie spielen eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung unseres Gleichgewichts und steuern alle visuell beeinflussbaren Bewegungen.

Beim Blick in die Ferne besteht oft kein Hinweis auf ein Muskelungleichgewicht der Augen, sondern erst bei der Betrachtung eines Objektes (Kugelschreiberspitze) in der Nähe = Konvergenztest.

Der Fußrezeptor – Grundlagen

Als letzter Puffer und als das andere Ende des Haltungssystems spiegeln sie die Summe der Muskelungleichgewichte unseres gesamten Körpers wieder. Denn an unseren Füßen beginnen und enden alle Muskelketten

Unsere Füße sind das Bindeglied zwischen dem Haltungsungleichgewicht (Asymmetrie) und dem Boden, auf dem wir stehen. Der Bodenwiderstand unter unseren Füßen zwingt das ZNS, uns gegen die Schwerkraft aufzurichten und uns aufrecht zu halten. Die Füße sind hierbei Gegenkraft zur Schwerkraft  und gleichzeitig die Bezugspunkte für die Schwerkraft.

Unsere Fußabdrücke spiegeln die Summe der gesamten Muskelungleichgewichte unseres Körpers wieder. 

Die Informationen von unseren Eingängen = Rezeptoren, ob richtig oder falsch, werden von unserem Nervensystem, immer als richtig angesehen, unbewusst verarbeitet und mit der Zeit ins Langzeitgedächtnis gespeichert. Dies drückt sich z.B. in der Körperhaltung aus. d.h. bei richtigen Informationen haben wir eine korrekte Haltung. Bei falschen Informationen, egal wodurch, finden wir häufig eine Fehlhaltung.

Muskelungleichgewichte Augen Kauapparat Füße 

Personen mit einer Fehlhaltung entwickeln auf der Ebene der Puffersysteme (Schultern, Becken, Füße) in der Regel Ausgleichsstrategien.  Deshalb lässt sich auf einer statischen Messplatte, eine Änderung der Stabilität d.h. des Gleichgewichts, vor und nach der Korrektur einer statisch gut ausbalancierten Fehlhaltung, nicht nachweisen. 

Die Therapie – Grundlagen

Normalerweise zeigt ein Patient trotz einer Fehlhaltung eine ausgeglichene Druckverteilung auf beiden Füßen als Ausdruck ihrer enormen Anpassungsfähigkeit. 

Ein Experiment des französischen Neurophysiologen Dr. med. J. P. Roll Ende der 90iger Jahre zuerst mit Minivibrationen, später mit elektrischen periodischen Miniimpulsen, unter der Fußsohlenmitte, konnte beweisen, dass dieser Reiz das Haltungssystem vorübergehend destabilisieren kann. 

Dies war sofort an der ungleichen Druckverteilung der Füße 40/60 anstatt von sonst immer 50/50 nachweisbar.

Verblüffend war dabei, dass sich dieses Druckverhältnis nach einer gewissen Zeit wieder umkehrte, und dann wieder zurück zu einer gleichen Druckverteilung fand. Das war der Beweis für die Adaptation des gesamten Haltungssystems an einen Reiz, egal wodurch.

Auch andere Forscher konnten das bestätigen:    

1980 Mauritz, 1984 Diener, 1990 Nashner    

1988 A. Dashays und 1996 Thourmie mit der Anästhesie der Fußsensoren,    

1990 Magnusson schon durch Unterkühlung der Sensoren in den Fußsohlen.

In den 70iger Jahren entdeckte Dr. med. Bricot Reflexzonen in den Fußsohlen, die auf die Stimulation unterschiedlicher Frequenzen reagierten. 1979 stellte Bricot diese Entdeckung erstmalig auf einem Akupunktur- Kongress  vor.

Ende der 80iger Jahre stellte Dr. med. Michel Marignan seine wissenschaftliche Studie über die Auswirkungen von elektromagnetischen Stimulationen der Hautrezeptoren in der Fußsohle auf die Körperhaltung vor.

Beide, Bricot und Marignan, waren Schüler des französischen Arztes Dr. med. Paul Nogier dem Begründer der Aurikulotherapie und Aurikulomedizin, und beschäftigten sich deshalb schon damals mit den Auswirkungen von Frequenzstimulationen auf den Körper.

Zum Seitenanfang